10. April 2019

Claudia Pichler
"Ned blöd ... für a Frau!"

Claudia ist nett, höflich, gscheit und ein hübsches Mädchen – also perfekt angepasst und dermaßen unauffällig. Aber: Claudia hat es satt!

Als echte Aubingerin, am zivilisatorischen Rande Münchens aufgewachsen, mit allen Isarwassern gewaschen und austriakisch gewürzt, rafft sich die passionierte Lethargikerin, die am liebsten auf dem Kanapee liegt und sinniert, auf und erobert die Kleinkunstbühne. Sie erzählt allzu menschliche Geschichten aus ihrer Welt, fabuliert über ihre Erfahrungen im Berufs-, Genuss- und Liebesleben, erörtert die Tücken religiöser Befindlichkeiten genauso wie die Freuden von Haustierbesitzern und die Missverständnisse, die nur Dialektsprechende erleben können. Claudia, die in München über Gerhard Polt promoviert hat, frönt dabei gern ungeniert und ganz unakademisch ihrem Grant, denn die Zeiten der Zurückhaltung sind vorbei! Dabei greift Frau Dr. Pichler bisweilen zum äußersten: ihrer Gitarre! Selbstgedichtet, arglos arrangiert und musikalisch schleierhaft, aber charmant interpretiert lassen ihre Songs Weltbewegendes bis Alltägliches in ganz ungeahntem Glanz erstrahlen.

Bisher machte Claudia Pichler im Trio „Die drei Haxn“ mit Anni Preuß und Michael Well die bayerische Kleinkunstlandschaft unsicher, jetzt also startet sie also mit ihrem ersten Solo-Programm durch. Dabei ist nicht nur „ned blöd“, sondern unwiderstehlich charmant, authentisch und erschreckend nixscheißert.

Ausschnitte des Abends

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Süddeutsche Zeitung - 12. April 2019

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